Zum Anfang: Warum halte ich mich überhaupt so viel in Bussen und Zügen auf (Beispiel: 2 Tage Reise Elbasan-Oradea, Rumänien). Einer meiner liebsten Boschkollegen und ich haben auf unserem letzten Vorbereitungsseminar eine „Flugzeugentführungsaktion“ gestartet. Ziel: die vielbereisten Leute in unserem Programm zum ökologischen Reisen zu bewegen. Dementsprechend muss ich aber nun auch meinen wüsten Forderungen entsprechend handeln und kann mich nicht einfach in ein Flugzeug setzen und in der Welt herum fliegen.
Man sagt ja immer, beim Reisen entstehen viele neue Bekanntschaften. Wenn man als blondes Mädchen alleine reist, so sind diese Bekanntschaften nur zumeist… na, Männer! Ich habe die seltene Gabe, ohne es auch nur im Geringsten zu wollen (denn wie vielleicht manche von Euch wissen, habe ich auf Reisen grundsätzlich zu viele Bücher dabei und lese diese auch ganz gerne) die Aufmerksamkeit der Busfahrer auf mich zu lenken. Dies gilt im Übrigen auch für Schaffner – ist derselbe Männerschlag. Das ist natürlich ganz angenehm, weil die Busfahrer an den Raststätten immer umsonst Essen und Trinken können und auch immer nette Geschichten zu erzählen haben. Allerdings kann es auch ein bisschen bedrängend sein, wenn man zum Beispiel nachts allein in einem Zugabteil ist und der Schaffner der Meinung ist man hätte gerne Gesellschaft. Oder wenn, wie gerade eben, der Busfahrer äußerst interessiert an meinen Aufzeichnungen ist, obwohl er ja doch gar kein Deutsch versteht. Und bei den wiederholten Anrufen seiner Ehefrau (die erstaunlicherweise auf dieser Fahrt schon mindestens 6 Mal angerufen hat) entweder sagt „Schatz, ich fahre und habe Polizei vor mir“ oder „Nein, im ganzen Bus ist heute keine einzige Frau. Lustig, nicht?!“ und denkt ich verstehe kein Wort von dem was er sagt. Meistens fragen die Männer dann ganz dezent, ob ich nicht eine Freundin oder Schwester für sie hätte, die ich ihnen vermitteln könnte. Na, Mädels, Interesse?! Das ist mir auch ein Rätsel, wie sie auf diese Frage kommen. Also, würde ich sie attraktiv finden, wäre es ja wohl eine Frechheit nach meinen Freundinnen zu fragen und damit zu signalisieren, dass sie zwar Interesse an einer Deutschen, aber nicht an mir haben. Und für den Fall, dass ich sie (möglicherweise) aufdringlich und unattraktiv finde, würde ich ihnen wohl kaum meine Schwestern vermitteln wollen, oder?!

Es ist jedenfalls an der Zeit, dass ich mir eine Strategie überlege, um diese Annäherungsversuche einzugrenzen. (Gerade ruft die Ehefrau zum 8. Mal an). Mir hat mal jemand gesagt, dass die deutschen Mädchen für Balkanverhältnisse zu offen lächeln und zu freundlich grüßen und daher Interesse signalisieren. Vielleicht sollte ich das also einschränken. Aber wenn ich reise, möchte ich mir meine gute Laune eigentlich nicht verkneifen müssen. Und für den Notfall hat mit dem russischen Schaffner ein beherztes „Mrš! Jebo te pitčku materinu!“ (Bosnisch für „Bitte verlassen sie umgehend mein Abteil! Oder so ähnlich) auch ganz gut funktioniert. Manchmal muss man eben schreien können.
Und Athen war natürlich der Wahnsinn, versteht sich..Nachtrag: als wir mit dem Bus auf dem Rückweg gerade zwischen albanischer und griechischer Grenze sind, wird angehalten, ein Mann springt aus dem Gebüsch und viele kleine Kisten werden auf dem Busklo eingesperrt. Dann wird weitergefahren, als sei nichts gewesen. Auf der weiteren Fahrt wird immer wieder angehalten und im Dunklen am Straßenrand an wartende Gestalten Teile dieser Kisten ausgehändigt. Hatte ich mal gesagt, dass man von Kriminalität so direkt hier nichts mitbekommt?



