Mittwoch, 15. Dezember 2010

Über den Wolken - Ja Ja Ja














... muss die Freiheit wohl grenzenlos sein!

15. Dezember 2010: die Visafreiheit für Albanien und Bosnien-Herzegowina tritt in Kraft.

Habt Ihr gar nicht mitbekommen? Hier wird gefeiert.

Was wird gefeiert?

Ganz simpel, dass die Menschen frei in den Schengen-Raum reisen dürfen, um zum Beispiel ihre Familienangehörigen zu besuchen. Unglaublich, aber es gibt Mütter, die seit 10 Jahren ihre Söhne nicht gesehen haben.

Montag, 6. Dezember 2010

Zusatz

FOLGENDER POST "REISEFLUT" WURDE TATSÄCHLICH WÄHREND DER BUSFAHRT GESCHRIEBEN UND SOLLTE EIGENTLICH EIN REISEBERICHT WERDEN. ERST WÄHREND DER FAHRT VERWANDELTE ER SICH IN EINEN KATASTROPHENBERICHT, WEIL ICH DANN ERST DAS AUSMASS LANGSAM ZU ERKENNEN BEGANN.

ICH WEISS NICHT, OB IN DEUTSCHEN MEDIEN ÜBER DIE ÜBERSCHWEMMUNG HIER BERICHTET WIRD, ABER DIE SITUATION FÜR DIE MENSCHEN IST SEHR SCHWIERIG. DIE REGIERUNG HAT EIN SPENDENKONTO EINGERICHTET, AUF DAS ICH GERNE EINZAHLEN MÖCHTE. WER VON EUCH SICH BETEILIGEN MÖCHTE, KANN MIR SCHREIBEN UND DANN ETWAS ÜBERWEISEN. 10 EURO SIND AUCH ETWAS... DANKE.

Reiseflut

Wir befinden uns in einem Tunnel. Der Bus bewegt sich rückwärts, biegt nach links ab, bleibt stehen. Steht. Links aus dem Fenster sehe ich eine Reihe von Häusern. Es ist immer noch dunkel. Als ich aufwache wird es langsam hell. Dieselbe Reihe von Häusern hinter dem linken Fenster. Eigentlich hätten wir um 5.00 Uhr morgens in Podgorica sein soll. Montenegro. Titograd, wie unsere bosnischen Gastgeber die Stadt genannt hatten, beim Abendessen, bevor wir aufbrachen.

Es hatte Hühnchen gegeben mit Kartoffeln und Karotten, im Ofen gebraten. Hausgemachten Käse und leider im Gegensatz zu sonst kein hausgemachtes Brot. Dafür Tee aus den Wiesen ums Haus herum für meinen Magen, der irgendwie keine so rechte Lust auf 24 Stunden Busfahrt zu haben schien. Und angewärmte Wollsocken vom Ofen. Gemütlich. Beim Essen lief der Fernseher, natürlich, und die Tochter der Familie rief aus Holland an, über Messenger. So unterhält man sich, über das Essen hinweg, den Fernseher hinweg, das Internet hinweg und parallel über mehrere Themen. Ich folge mal dem einen Gesprächsfaden, mal dem Anderen, verliere irgendwann völlig die Orientierung und konzentriere mich auf die warmen Socken und meinen Magen. Dann wird die allgemeine Trägheit plötzlich durchbrochen „Wann müssen wir los, ach wir müssen los, auf, auf, auf…“ Auch das, wie mir scheint, keine wirkliche Überraschung über das Fortschreiten der Zeit, sondern Teil des Besuchsrituals, ebenso wie Socken und Hühnchen.

Dann also ab in den Bus, und Dämmerzustand einschalten. Was soll man auch sonst machen, bei kurvigen Straßen und Dunkelheit? Im Halbschlaf durch zwei Grenzkontrollen, ein Grenzbeamter sammelt die Pässe im Bus ein – wenigstens muss man nicht mit Sack und Pack aussteigen, wie bei der Einreise in die EU – dann wird der Stapel wieder verteilt. Die Vornamen werden ausgerufen. Wenn der Ausrufer zögert, zögert, zögert und dann „Anna“ sagt, bin ich gemeint.

Soweit also bis zum Parkmanöver vor besagter Häuserreihe. Was war los? Erdrutsch, die Straße ist nicht mehr befahrbar. Wir müssen warten, bis am Morgen die Stadt die Straße wieder frei räumt. Erdrutsch, warum? Es ist so viel Regen gefallen, die letzten Tage. Überall Überschwemmungen. Ach wirklich? Wir hatten gar nichts mitbekommen. Naja… Immer noch ist es erst sieben Uhr morgens, im Halbschlaf erscheinen die Katastrophen der Welt irgendwie nebensächlich. Nur noch einmal kurz die Augen schließen…

Schließlich angekommen in Titograd, machen wir uns auf die Suche nach einem Fahrer für Albanien. Busverbindung gibt es zwischen den beiden Ländern keine, aber Händler, die aus Shkodra nach Montenegro kommen, einkaufen, und Leute zurück nehmen. Wie man die findet? Alte Mercedese aus den 80ern, 200D, mit Autokennzeichen „SH“ und dem albanischen Adler. Nach einer halben Stunde stehen fährt einer vorbei „Oh Schwester, O moj motra, wollt Ihr mit?“.

„Oh moj motra“ ist einer von wenigen Sätzen, die ich auf dem Rest der Fahrt von unserem Fahrer verstehe. Der Dialekt Nordalbaniens ist so wie sich mit einem Bauern aus Bichl, Oberbayern, zu unterhalten. Bichl kommt hier keine spezielle Bedeutung bei, sondern steht nur stellvertretend für starken bayerischen Dialekt. Und als Gruß an meine Schwester, die jahrelang kicherte, wenn wir auf dem Weg zur Oma in Garmisch-Partenkirchen am Ort Bichl vorbei fuhren. Obwohl dafür eigentlich noch viel zu jung, war sie heimlich in einen Jungen mit Nachnamen Bichl verliebt.

Wir saßen also auf der von alten Kunstfellen bezogenen Rückbank des 200D und unser Fahrer redete von Wasser. So viel Wasser hatte er in seinem Leben noch nicht gesehen. Gleich werdet Ihr sehen, gleich werdet Ihr sehen. Und tatsächlich, kaum nach der Grenze um die Kurve gefahren, versank die Straße. Versank im Skadar See, der zwischen Montenegro und Albanien liegt. Und wir fuhren trotzdem einfach weiter, in den See hinein. „Keine Sorge, motra, wir dürfen nur nicht stehen bleiben. Wenn der Motor ausgeht kostet das 500 Euro Reparatur“ beruhigte mich unser Fahrer und gab Gas. 500 Euro Reparatur war, denke ich, seine Beschreibung von: eine scheiß Situation. Instinktiv zog ich die Füße hoch, doch es dauerte eine Weile, bis das erste Wasser durch den Boden kam. „Kein Problem, motra, kein Problem“ und schon überholten wir einen Minibus, der sich zu langsam durch das Seewasser kämpfte. Und schon waren wir wieder heraus. „Nichts geht über deutsche Autos, motra“, schmunzelte unser Fahrer, der mir trotz meines deutschen Passes abgenommen hatte, dass ich Albanerin aus Tirana bin. „Da war ich noch nie, große Stadt“.

Nach jeder Seezunge, die wir durchquerten, hielten wir kurz an, um denjenigen auf der anderen Seite Wartenden unnütze Tipps wie „Fahr schnell, fahr links, etc.“ zu geben und viel Glück zu wünschen. Jeeps waren dabei, Busse, alte Mercedese wie unserer und ein Ferrari mit Kennzeichen aus Monaco. Die Dame des Wagens saß scheinbar ungerührt auf dem Beifahrersitz und zog ihren Lippen nach. Der Herr stand vor dem Wagen und besah sich mit ernster Expertenmiene die Wassermassen vor seinen Füßen. Ich blickte auf das Wasser, das um die Fußmatte zu meinen Füssen schwappte, und musste schmunzeln.

Unser Bus aus Shkodra fuhr auf einer kleinen Seitenstraße Richtung Tirana, die ich noch nie gesehen hatte. Helikopter am Himmel. Notarztsirenen. Was war denn nun schon wieder los? Ich fühle mich ein wenig an einen Tag im März vor zwei Jahren erinnert. Gerade war ich mit einem Freund aus Deutschland in Tirana gelandet. Wir nahmen den Flughafenbus Richtung Tirana und müde von Abschiedsparty und Seminar in Deutschland dämmerte ich im Bus vor mich hin. Einmal öffnete ich kurz die Augen und sah durchs Fenster eine große schwarze Rauchwolke. Ach die Albaner, dachte ich, verbrennen wieder ihren Hausmüll, und schlief wieder ein. Als wir in Tirana in den Bus nach Elbasan umstiegen, schienen alle in heller Aufregung, Polizei und Notarzt überall, nur ich verstand nicht worum es ging. Erst zuhause am Fernseher wurde die Situation langsam klar: eine Demunitionsfabrik im Dorf Gerdec war in die Luft geflogen und hatte das halbe Dorf mitgenommen. Eine riesige Katastrophe und ein politischer Skandal bis heute. Und ich im Halbschlaf dachte nur an Hausmüll.

Heute bin ich aufmerksamer, es ist aber nichts zu erkennen. Bis eine Schweizer Freundin anruft „Premierminister Sali Berisha hat gestern Abend den Notstand ausgerufen. Wegen starker Überschwemmungen in Nordalbanien. Menschen werden evakuiert und Straßen sind zum größten Teil gesperrt“. Ähnliche Situation in Bosnien und Kroatien, meldet das Radio.

Inzwischen sind wir zurück auf der Hauptstraße nach Tirana. Wir fahren am Grab von Skanderbeg vorbei und die Sonne geht knallrot am Horizont unter. Sieben Stunden Verspätung und links am Himmel ein Rettungshubschrauber.

Ein Puppentheater












„Wo sind Eure Kostüme?“ „Warum kannst Du Deinen Text immer noch nicht?“ „Wo ist der Brief, den Du auf der Bühne benötigst?“ „Warum fehlt die halbe Truppe, obwohl wir vor einer Stunde anfangen wollten?“ „Wie bitte, Du kommst erst 2 Tage vor der Premiere aus Griechenland zurück?“ Ach so, es tut Dir leid, aber am Tag der Generalprobe musst Du Deine Tante ins Krankenhaus begleiten?“ „Klar, Du wolltest noch schnell Deinen Kaffee austrinken, daher die zwei Stunden Verspätung“ „Klar verstehe ich, dass Dir jetzt auffällt, dass Du wenig Zeit zum Theater spielen hast. Ich kann ja leicht einen anderen männlichen Hauptdarstellung finden“ …

… soweit mein psychischer Zustand Anfang Oktober, kurz vor unserer Premiere von NORA – ein Puppenheim nach Henrik Ibsen. 15 Schauspieler/ Studenten/ Puppen/ mich in den Wahnsinn treibende „Ich will berühmt werden“-Träumer, fünf Aufführungsorte und ich alleine am Ruder dieses Kahns. Hinzu kamen eine Lebensmittelvergiftung mit anschließender Blasen- und Nierenentzündung. Einmal auskuriert und wieder gekommen. Drei Wochen Antibiotikum und einen wollenen Schal um die Hüften, der viele Glückwünsche von albanischen Kolleginnen einbrachte, die mich fröhlich umarmten „Der wievielte Monat ist es denn?“. Von deutscher Seite nur Sorgen „Mit den Nieren darf man nicht scherzen“ und meinerseits ein Gefühl der Überforderung mit der Welt. Aber dennoch, der alte Ehrgeiz ist auch durch Nierenkoliken nicht klein zu kriegen. Daher musste diese Aufführung stattfinden, irgendwie.

In Elbasan waren wir Teil des internationalen Festivals „Skampa“, studenisches Plenum. Was, so stellt sich bei unserer Ankunft heraus, bedeutet, dass wir in einem Hörsaal spielen, ohne Lichteinstellungen und mit einem Publikum, das, fürchte ich, gerade aus einem Hörsaal hinaus, in den Theaterhörsaal hinein verpflichtet worden war. Macht nichts, im Festival Programm stehen wir drin. Wie alle anderen, wenn auch mein Name nur eine ungefähre Annäherung an meinen tatsächlichen Namen darstellt.

Zweite Station, Durrёs. Der neue Theaterdirektor war begeistert von unserem Engagement und bot uns Kostüme aus der Garderobe an. Welche Garderobe? Mir war schon vor zwei Jahren gesagt worden, dass die gesamte Garderobe in Durrёs vernichtet worden sei. Leider. So sagte jedenfalls der alte Direktor. Mitleidiges Lächeln und Schulterzucken, sonst keine Reaktion. Jetzt jedenfalls dürfen wir die Garderobe benutzen. Und so schnell wie möglich soll eine Jugendtheatergruppe gegründet werden. Von mir.

Dritte Station, Tirana. Meine inzwischen völlig abgehobenen Starschauspieler-Puppen bemängeln, die Studentenbühne der Kunstakademie sei zu klein für sie. Meine Nieren fangen als Reaktion sofort an zu zwicken und ich frage mich, ob ich trotz Psychologiestudiums das Opfer einer psychosomatischen Krankheit bin? Ich unterdrücke den Tobsuchtsanfall, lasse sie ihre Kostüme ordnen und mache lieber Bühne, Lichteinstellung und Musik fertig. Während der gar nicht so böse Krogstad und ich noch kurz vor der Aufführung ein Interview geben: ich mit ziemlich unbrauchbarem Albanisch und er vor lauter Aufregung ziemlich wortkarg, schicken die Mitarbeiter der Kunstakademie unser halbes Publikum nach Hause: „NORA? Nein, das wird hier nicht gespielt. Abgesagt.“ Gott sei Dank wurde die deutsche Botschaft nicht nach Hause geschickt, unser Hauptsponsor. Die hatten gar nicht geplant zu kommen. Posteriorität.

Vierte Station. Westen, wild. Auch Peshkopia genannt. Eine Hauptstraße mit Bäumen rechts und links. Allee. Und darauf laufen Männer mit spitzen Lederschuhen auf und ab. Morgens, mittags, abends. Und so auch unser Theatersaal. Männer. Oben, Mitte, unten. Die Nora in unserem Stück will sich nicht mehr wie eine Puppe behandeln lassen und verlässt daher ihren Mann. Ich war gespannt wie diese Botschaft in Peshkopia - 120km, sieben Stunden Fahrt und Welten von Tirana - ankommen würde. Die Antwort darauf ist relativ simpel: die Message kam überhaupt nicht an, aber meine Mädchen dafür umso mehr. Shakespeare´sches Theater aus dem 15. Jahrhundert kann man das romantisch vielleicht nennen. Das Publikum lebte mit, grölte, fragte und lachte mit und hatte am Ende nichts begriffen. Nur ich hatte begriffen, warum Shakespeare keine weiblichen Schauspieler hatte. Der Lichttechniker, in dessen Kabine ich saß, schimpfte während der gesamten Vorführung darüber, dass das Publikum nicht zuhörte. Und erzählte mir dabei 1,5 Stunden lang von den Erfolgen seines Theaters im Kommunismus, während ich versuchte mich auf das Stück und die richtigen Einsätze für den Lichtwechsel zu konzentrieren. Und der äußerst hilfreiche und bescheidene Direktor des Theaters schlug in seinem Büro wohl die Hände über dem Kopf zusammen. Nicht einmal die herbei bestellten Polizisten oder der anwesende Bürgermeister konnten Ruhe schaffen. Der Bürgermeister hatte Dringendes an seinem Handy zu besprechen. Den Polizisten machte es wiederum mehr Spaß die anwesenden Jungs zu ärgern, als sich das langweilige Theaterstück anzuschauen.

Alle Romantik verflog aber, als einer unserer männlichen Begleiter, wie ich später hören durfte, beim Abendessen eine Pistole hervorzog, um die Mädchen zu beeindrucken. Und als die ganze Truppe schon auf dem Weg in die Disko wieder kehrt machte und sich verängstigt im Hotel sammelte, „weil die Männer ziemlich betrunken sind.“ Ich weiß nicht, ob es wirklich Schüsse waren, was wir dann von der Straße hörten, denn ich darf zu meinem Glück sagen, dass ich mit dem Geräusch von Schüssen nicht allzu vertraut bin. Aber es reichte aus, um uns den Abschiedsschmerz erheblich zu lindern. Gott sei Dank bekamen wir die Batterie des Unibusses wieder zum Laufen und verzogen uns am nächsten Morgen. Hätte die Batterie nicht funktioniert, einige meiner Mädchen hätten es trotz ihrer Stöckelschuhe zu Fuss versucht nach Hause zu kommen.

Letzte Station Shkodra. War im Publikum nicht viel ruhiger, aber machte trotzdem alle glücklich. Zum Einen, weil die Aufführung gut lief. Zum Anderen – und entscheidenderen in dem Moment – weil es die letzte war. Alles war überstanden, ohne Nervenzusammenbruch, ohne Nierenversagen und ohne Kopfschuss. Jetzt beginnt die schöne Zeit, das sich zurück Erinnern und darüber reden, was man Großartiges geleistet hat. Bei einem Kaffee. Am Meer. In Durres. In Sicherheit.

Donnerstag, 30. September 2010

Tadschikistan Blog

Obwohl ich in den letzten beiden Jahren viel gereist bin – projektgebunden vor allem auf dem Balkan hin und her, also irgendwie nie richtig Urlaub – war mein Leitsatz für den Blog immer: Nur Albanien! Dieses Mal hat es mich aber, nur halb proje

kt- und halb urlaubsmäßig, in ein Land verschlagen, das es ebenso verdient auf diesem Blog erwähnt zu werden, wie Albanien. Dieselben verständnis- bis hilflosen Reaktionen erhielt ich bei der Ankündigung meines diesjährigen Reisevorhabens wie bei meiner Ausreise vor drei Jahren. Niemand wusste, wo dieses Land eigentlich liegt, geschweige denn was ich dort verloren habe. Und niemand erwartet von den versprochenen Postkarten, dass sie tatsächlich ankommen. Daher habe ich zum ersten Mal seit drei Jahren beschlossen, einem weiteren Land Zugang zu meinem Blog zu gestatten: Tadschikistan.

Duschanbe, so heißt die Hauptstadt von Tadschikistan, was auf Persisch/ Iranisch/ Tadschikisch Montag bedeutet. Wie passend also, dass ich an einem Montag schreibe. Warm ist es hier, dass ist wohl das bemerkenswerteste nachdem man den August 2010 in Deutschland hinter sich gebracht hat. Es gibt viele Moslems, was allerdings nicht besonders auffällt oder Ernst genommen wird, es gibt Probleme mit Wasser und Strom, Mafia, billige Zigaretten, guten Fetakäse, wunderbare Berge und Liebespaare halten sich heimlich im botanischen Garten an den Händen. Wie in Albanien.

Aber selbstverständlich ist nicht alles mit Albanien vergleichbar. Gesprochen wird hier Tadschikisch und Russisch, d.h. ich verstehe mal wieder ziemlich wenig. Die Nachbarländer sind unter anderem China und Afghanistan, die Frauen tragen traditionelle bunte Gewänder: Hosen unter knöchellangen, weiten Kleidern, mit denen die emanzipierten Tadschikinnen die Burkas abgelöst hatten. Gegessen wird gestempeltes Fladenbrot, Plov und Schaschlik. Die jungen Frauen sehen aus wie zarte Rehe im Magdeburger Stadtpark, und lächeln schüchtern aus großen braunen Augen. Und der Geruch auf den Teppichen im Taptschan erinnert an eine Zugfahrt von Istanbul mitten ins Herz der Türkei, auch wenn das nicht vielen von Euch etwas sagen wird. Wer diese Zugfahrt allerdings einmal erlebt hat, dem wird der süßlich bittere Geruch bei seiner Erwähnung sofort wieder in die Nase steigen. Fortbewegungsmittel ist hier allerdings nicht der Zug, sondern Sammeltaxis, die man nach russischem Vorbild Marschrutka nennt. Ein Albanern würde diese als Furgon bezeichnen und genau wissen, was gemeint ist.

Richtige Berge

Zu unserem Glück fiel das Ende des Fastenmonats Ramadan auf unser erstes Wochenende, so dass ein paar Tage frei waren und wir in die phantastischen tadschikischen Berge losziehen konnten. Es ging also mit dem Bus zum Treffpunkt der Sammeltaxis im Norden von Duschanbe. Wir müssen versuchen einen älteren Fahrer zu finden, die fahren nicht allzu schnell. Und einen Jeep, der so aussieht, als würde er die fünf-stündige Strecke durch die Berge ohne Probleme bewältigen können, wurden wir von unseren Gastgebern aufgeklärt. Und ein Ersatzreifen ist wichtig, klaro. Los ging es also, fachmännisch begutachteten wir die geparkten Jeeps, lehnten empört ab, lehnten spöttisch lächelnd ab, lehnten mitleidig grinsend ab. Bis wir ein Fahrzeug samt Fahrer gefunden hatten, das uns zusagte. Rücksäcke und Zelte wurden aufs Dach geschnallt und wir stiegen ein. Und wir stiegen aus. Schon nach der ersten halben Stunde qualmte es unter der Motorhaube und es war an unserem Fahrer, mitleidig zu lächeln. Oh nein, das hatte er schon öfter. Aber ich wollte es doch einmal versuchen…

Rücksäcke vom Dach, Geschirrtuch um den Kopf gebunden, Buch raus und warten also. Bis der rettende weiße Engel vorbeigefahren kam: die deutsche GTZ. Weiter ging es, und nur wenig später fuhren wir in den furchterregendsten Tunnel, den ich je erlebt habe. Sarajewo – Visegrad ist ein Katzenpfurz dagegen. Sechs Kilometer lang, keine Beleuchtung, Löcher, Steinbrocken und Wasser überall und wir rasten nur so hindurch. Halleluja, ich hasse diesen Tunnel, stieß unsere italienische Fahrerin hervor, als wir am Ende herausgeschossen kamen. Deshalb fahre ich immer so schnell ich kann hindurch. Da geht es schneller vorbei. Keiner von uns Mitfahrern schien Spucke für eine Antwort zu haben.

Schon nach Einbruch der Dunkelheit trafen wir mitten in den Bergen an dem kleinen Bauernhof ein, wo wir schlafen sollten. Kalt war es, ein Wildbach rauschte betäubend laut, es gab Lamm, das wie Lamm-Essenz schmeckte und wir hatten die Straße überlebt. Großartig! Wo ich darüber nachdenke erscheint es mir lachhaft, dass ich nach drei Jahren Albanien Angst vor tadschikischem Verkehr und Straßen hatte. Aber leugnen lässt es sich nicht. Fast hätte ich mir in die Hosen gemacht.

Was wir am nächsten Morgen allerdings alle in unseren Hosen fanden, war etwas anderes. Es juckte. Ein bisschen nur. Scheiß Mücken. Am Tag, als wir auf phantastischen Bergen herum kletterten, vergaßen wir das Jucken. Aber nachts, als wir uns um acht schon in unsere Zelte verzogen, weil es auf 2.400m einfach zu kalt zum Biertrinken war, fing es wieder an. Scheiß Mücken. Wie kommen die hier her? Und wie kommen die in meinen Schlafsack? Und in meine Unterhose? Und warum krabbeln die? Können Mücken krabbeln? Zaghaft kam das Thema am nächsten Morgen zur Sprache. Ich weiß nicht mehr, wer das schweigsame Kratzen brach und die Sache auf den Punkt brachte. Aber alle waren erleichtert, dass sie nicht die Einzigen waren. Scheiß Flöhe.

Berge ohne Gleichen bekamen wir an diesem Wochenende noch zu sehen, kleine Jungs, die Hänge hinauf und hinunter flitzten, an denen wir uns keuchend abquälten. Bunte Frauen, die lächelnd aus dem grauen Steinmeer auftauchten, wenn man gerade hinter einem Busch die Hose runtergelassen hatte. Adler. Gigantisch. Geier. Unfassbar. Und stahlblaues Wasser. Und als wir, nach einer problemlosen Rückreise, wieder in Duschanbe ankamen, alle in Unterwäsche im Vorgarten – alles in die Waschmaschine! So schafften wir es, Gott sei Dank, unsere neuen kleinen Freunde wieder loszuwerden.


Präsidentenkult

Tadschikistan hat einen wunderbaren Präsidenten. Er eröffnet Schulen, beackert Felder,ubert Flüsse und baut riesige Hochhäuser. Ganz Duschanbe ist voller Poster, die ihn dabei zeigen. Immer in derselben Pose, aber mit unterschiedlichem Hintergrund. Und nun hat er den Frauen von Tadschikistan sogar versprochen, wer sich weiterhin so anzieht, wie die Frauen in Westeuropa, den würde er dahin schicken. Sofort! Großartig. So hat Tadschikistan gar keinen Bedarf an DAAD-Stipendien. Alles erledigt der Präsident selbst.

Kurz bevor wir zurück fliegen sollte, kam uns zu Ohren, dass alle AirBaltic Flüge eingestellt worden seien. Ab Ende September. Ein schwerer Schlag, da diese Airline die einzige preiswerte Reisemöglichkeit darstellte. Warum hatten sie ihre Flüge eingestellt, obwohl die Flugzeuge immer voll gewesen waren? Nur einen Tag später war das Rätsel gelöst: Der Präsident, dem SomonAir gehört, die einzige Fluglinie die direkt nach Deutschland fliegt, war mit dem Umsatz seiner Airline in letzter Zeit sehr unzufrieden. Daher lag es nahe, AirBaltic das Anfliegen von Duschanbe zu verbieten und so den Umsatz von Somon Air zu erhöhen. Irgendwie muss er schließlich die Auslandsaufenthalte seiner Untertanen finanzieren. Das wird ihm keiner verübeln. Alles zum Wohl des Volkes.


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Der Fahrtwind

Aufruf zur Suche des scheinbar verlorenen Gefühl

Leserbrief zum Artikel „Der Fahrtwind – Nachruf auf ein verlorenes

Gefühl“ DIE ZEIT Nr.31, 29.07.2010, S. 43



Eisenbahnstrecke zwischen Brasov und Bukarest, Rumänien. Endziel: Ruse, Bulgarien. Fahrtgeschwindigkeit 35km/h. Die obere Scheibe des Fensters ist heruntergezogen, der Wind jagt ins Abteil, gleichzeitig mit dem lauthalsen Rattern der Räder. Neben dem geöffneten Fenster ist ein Aufkleber angebracht: eine Flasche in einem roten Kreis. Die Botschaft kommt einem bekannt vor: Bitte keinen Müll aus dem Fenster schmeißen! Neben diesem Aufkleber hängt hingegen ein Schild, das neu erscheint. Und das nicht nur, weil es auf Rumänisch geschrieben ist: „Bitte bedenken Sie, dass die in diesem Zug installierte Klimaanlage besser funktioniert, wenn die Fenster geschlossen bleiben“. Von „Bitte nicht hinauslehnen!“ fehlt jede Spur. Dennoch lehnt man sich hinaus.

Das von Florian Illies beschriebene Lebensgefühl des Fahrtwindes scheint also nicht grundsätzlich verloren gegangen zu sein. Die Verbindung zwischen innen und außen ist nicht überall gekappt worden und auch die Beschleunigung muss nicht bis zur Unerträglichkeit gesteigert werden, um sich heutzutage fortbewegen zu können. Auch hier, im neuen Europa, gibt es Fortschritt. Die Bahnstrecke nach Bukarest wird ausgebaut, Baustelle, wohin das Auge blickt „Hier baut die E.U.“ Deshalb fährt der Zug Schrittgeschwindigkeit. So bleibt Zeit mit dem Gesicht in Sonne und Fahrtwind wichtige Fragen aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft an sich vorbei ziehen zu lassen. Zudem kann man sich wundern und erfreuen über die Gelassenheit des rumänischen Zuges. Es existiert eine Klimaanlage, um eine angenehme Temperatur zu erzeugen. Dennoch kann man das Fenster öffnen, wenn einem dann wohler ist. Technik als Möglichkeit, nicht als Zwang.

Es gibt also einen Ort, wo man das Lebensgefühl Fahrtwind noch finden kann. Die Frage bleibt jedoch, ob man es wirklich finden will, oder sich wohler fühlt, im melancholischen Klagen über den Verlust der Vergangenheit. Wer fährt schon noch mit dem Zug nach Bulgarien, wo es doch Instanturlaub am Sonnenstrand mit Flugreise gibt? Im Flugzeug konnte man schließlich noch nie den Kopf zum Fenster hinaus strecken. Und wer stellt sich noch gerne diejenigen Fragen, die nur der Wind beantworten kann? Fragen sind anstrengend. So wie Zug fahren.

Dienstag, 11. Mai 2010

Donnerstag, 29. April 2010

Einfach ein schönes Bild...



Die ausländische Wandercommunity

Während meines letzten Heimaturlaubs – der erfreulicher Weise durch das Wirken meines isländischen Freundes Eyjafjallajökull und unseren sympathischen Verkehrsminister um zwei ganze Tage und ein Blokschoijkonzert verlängert worden ist – las ich in meiner Lieblingssüddeutschen Zeitung einen Artikel zu Expatriate Wanderklubs in Afrika, den sogenannten HASH-Gruppen. Ich finde es erstaunlich, dass, egal wie viele Zeitungen man in seinem Leben liest, man sich doch immer mit der am wohlsten fühlt, die man als erstes in die Finger bekommen hat! Das soll hier jetzt allerdings nicht weiter vertieft werden. Eher hat mich die SZ auf den Gedanken gebracht vom HASH-Club Tirana zu berichten.
Wie gesagt, je länger ich hier bin, desto gewöhnlicher kommt mir alles vor. Das ist selbstverständlich gut, denn irgendwann wird das ständige „Ach kuck mal hier“, „Ja, wie lustig, die Albaner!“, „Man sind die bekloppt, oder was?!“ etc. etwas anstrengend. Es tut gut, sich nicht ständig über chaotischen Verkehr, verstaubte Straßen, korrupte Unirektoren und leckeres Gemüse aufzuregen oder zu freuen, je nachdem, sondern manche Dinge einfach als normal hinzunehmen. Es tut gut abzustumpfen – ist es das, was ich sagen will? Erschreckend, aber wohl doch ein stückweit wahr. Jedenfalls hat diese wohltuende Abstumpfung zur Folge, dass mir immer weniger markante Dinge auffallen, die ich in meine Blog schreiben könnte, um Euch zu erfreuen, zu schockieren oder zu langeweilen. Daher also ein Lob an die gute alte SZ.

Albanien ist ein bergiges Land und insbesondere Rund um Tirana gibt es viele nette Hügelchen, auf die es sich zu steigen lohnt. Nun ist der moderne Albaner an sich kein Wanderfreak und der klassische Ausländer in Albanien immer etwas scheu alleine in die albanischen Dörfer zu rennen. Hinzu kommt, dass es nicht wie in meiner wunderbaren bayerischen Heimat oder bei unseren österreichischen Freunden klare rote, grüne oder wie auch immer farbige Tupfer am Wegrand gibt, die anzeigen, wo man lang muss und wie lange es noch bis zur nächsten Brotzeit und Halben dauert. Zwar ist Brotzeit bekanntermaßen die schönste Zeit – auch in Albanien ist dieses bayerische Sprichwort altbekannt: im Wirtschaftsbericht der Botschaft habe ich gerade gelesen, dass Gastronomie der best funktionierende Wirtschaftszweig ist – aber selbige muss man sich schon selbst auf seinem Rücken mittragen, wenn man nicht mit hungrigem Magen wandern will. Nebenbei erwähnt, die Bemerkung von österreichischen Freunden ist keineswegs ironisch zu verstehen. Ich bin in den Genuss gekommen, den theaterbegeisterten österreichischen Konsul hier kennen zu lernen, der erstens kluge Dinge sagt wie „Jeder Mensch sollte mindestens ein Mal in seinem Leben Theater gespielt haben – das ist für die persönliche Entwicklung unbedingt von Nöten“ und zweitens deshalb beschlossen hat, meine neu gegründete Studententheatergruppe „Aleksander Moisiu“ finanziell zu unterstützen.

Kurzum, aus diesem Grunde haben die Internationalen in Tirana, unter Anleitung der Amerikaner, wie sollte es auch sonst sein – Albanien und Afghanistan werden ja auch immer gerne verwechselt, sich zusammen getan und ziehen unter dem Namen HASH jedes Wochenende gemeinsam in die Bergwelt um Tirana. Auch der Anteil der Albaner wird bei diesen Ausflügen immer größer. Manchmal kommen zwar gerade die albanischen Damen in erschreckend unpassendem Schuhwerk daher, aber da sie es gewohnt sind Schuhe zu tragen, in denen man nicht laufen kann, halten sie wunderbar Schritt.
Mein erster HASH 2010 führte einen schlammigen Abhang hinunter, und dann in einem Canyon entlang zu einem Stausee. Von dort sollte es zurück gehen. Problem: Der deutschen Gemeinschaft war das nicht genug Abenteuer und so zogen der deutsche Botschafter, ein Mitarbeiter des Goethe Instituts, eine ZFA-Lehrerin, eine Irin, ein Bosnier, eine Albanerin (die sich der Tragweite ihrer Entscheidung sicherlich nicht bewusst war) und ich los, um über den nächsten Hügel einen alternativen Rückweg zu finden. Mir nach, sprach der Goethemann, den wir im Folgenden Leitwolf nennen wollen und zog los, den Hang hinauf, der Rest der Truppe hechelnd hinterher. Bis auf den Botschafter, einen großen Mann, dem manchmal die Füße wegrutschten und der von hinten häufiger undiplomatische Ausrufe wie „Scheiße!“ und „Ah, Mist!“ hören lies, und der Albanerin, die zu der Art „Ungeeignetes Schuhwerk“ gehörte, kamen alle relativ unbeschadet oben an. Nur oben zeigte sich, was Bergkenner nicht überraschen wird, nämlich, dass sich der Rückweg längst nicht mehr so klar abzeichnete, wie beim Aufstieg angenommen. Auf Gutdeutsch – es war absolut nicht zu erkennen, wo überhaupt ein Weg weiterführte. „Zurück, zurück!“ rief die Albanerin. „Mir nach“ rief der Leitwolf. „Aua, aua“ murmelte der Botschafter. Und nachdem der Leitwolf bereits losgerannt war, folgten wir ihm. Wie gesagt, keine Punkte, keine Wirtshäuser und so kam es, dass wir nach einer weiteren Stunde mitten im Gebüsch steckten. Und mit mitten im Gebüsch meine ich Dornen in den Fingern, Blätter im Gesicht und Äste, die einem an die Schienbeine knallen. „Uff, uff“ murmelte der Botschafter. Ich hatte gedacht es sei ein kluger Schachzug, sich an ihn zu hängen, er würde mir den Weg bahnen, mit seiner hühnenhaften Gestalt. Die Gefahr hatte ich allerdings unterschätzt, der eine Maus ausgesetzt ist, wenn sie hinter einem Elefanten läuft. Dieser wuchtet Bäume und Äste beiseite und lässt sie zurückschnalzen – die Maus hingegen wird von einem dieser Äste erfasst und auf den Mond geschleudert. Wir kennen das alles von Tom und Jerry....

Die Albanerin hing inzwischen permanent am Telefon und fragte verschiedenste ihrer Tiraner Freunde um Rat, wie wir aus dem Wald wieder herauskommen würden... Der Leitwolf rief „Mir nach“ und rannte einfach weiter. Seltsam war das, lustig und skurril, ein Haufen Erwachsener, Akademiker und Diplomaten, die sich ihre Backen im Dorngestrüpp zerkratzen wie wilde Buben. Und immer mit dem Witzchen auf den Lippen „Naja, zur Not wird uns die Bundeswehr schon finden...“

Die Stimmung schlug um als es zu dämmern begann, als die Lehrerin sagte „Ich habe Diabetes und ich glaube ich habe nicht genug gegessen. Ich kann jeden Moment unmächtig werden“ und als die Irin von irgendwo aus den Dornen rief „Where are you? Oh for fucks sake where are you? I´ve lost track...“ und der Leitwolf unbeirrt sein „Mir nach, mir nach“ zur Antwort gab. Was soll man da machen? Wieder einmal trat das Psychologiestudium in Kraft. Ich erzählte fröhliche Geschichten und betone immer wieder, was für ein schönes Abenteuer wir doch gerade durchlebten. Und das auf Deutsch, Albanisch und Englisch – wenn nur die Stimmung nicht kippte! Auch der Botschafter hat eigentlich Psychologie studiert. Der war aber gerade in inniger Umarmung mit einem Dornbusch, in den er gefallen war und murmelte zur Abwechslung „Oh je, das tut jetzt aber wirklich weh...“.

Naja, bei Einbruch der Dunkelheit erreichen wir ein Dorf, von dort die Strasse und unsere geparkten Autos. Und alle waren fröhlich – Was für ein Spaß! Gefürchtet, wir? Natürlich nicht, wir sind ja keine Kinder!

PS.: Nur wenige Wochenenden später, der nächste Ausflug. Ein kleiner Spaziergang um eine Burg herum. Ach viel zu kurz, sagten sich der DAAD-Lektor und ich, lass uns zu Fuss zurück nach Tirana gehen. Tirana konnte man von der Burg aus deutlich sehen. Zwei Stunden Fussmarsch, weiter kann es nicht sein!
Wir wateten einen Matschweg hinunter, versanken im Schlamm, zerkratzten uns wieder die Gesichter, rutschten aus und mussten uns an Ästen festklammern um nicht in einen Bach zu fallen, kletterten über Felsen und mussten uns schließlich – ungelogen – an einem Baumstamm über einen drei Meter breiten Fluss hangeln, um beim Einbruch der Dunkelheit gerade noch die Hauptstrasse zu erreichen. Tirana lag immernoch eine halbe Autostunde entfernt...
Erstaunlich, wie man sich so nah an der Hauptstadt so sehr in der Wildnis befinden kann, dass einem fast Angst und Bange wird. Aber nur fast, natürlich...

Sonntag, 28. Februar 2010

Valentinstag

„Und, was hast Du geschenkt bekommen?“ „In welchem Hotel habt Ihr geschlafen?“ „Wo wart Ihr zum Mittagessen?“ – Valentinstag ist ein großes Ereignis hier in Albanien. Wer nicht so viel Geld hat, geht mit seiner Freundin spazieren und kauft ihr einen Strauß mit den gelben Winterblumen, die hier Mimoza heißen und von denen ich keine Ahnung habe, wie sie auf Deutsch genannt werden. Diese Mimozen werden dann jedenfalls demonstrativ beim Spaziergang herumgetragen und -gezeigt – bei mir entsteht immer sogleich der Eindruck als befände ich mich mitten in einer Trauung, die Hand zückt in die Tasche und sucht den Reis, aber da ist keiner...

Wer etwas mehr Geld hat, geht schön zum Mittagessen, am besten in Durres, oder sonstwo am Meer. Ganz Tirana machte sich an diesem schönen Sonntag auf ans Meer.

Und wer noch mehr Geld hat, packt seine Liebste ins Auto und fährt das Wochenende über weg. Am besten nach Montenegro oder Ohrid in Mazedonien. Das sind die angesagtesten Romantikorte. Manche waren auch auf dem Dajti, dem Hausberg von Tirana, da dort ausnahmsweise Schnee lag. Und andere weiter oben im Norden, in einem Wellness Hotel, dass eigentlich 150 Euro die Nacht kostet, sie aber für 20 bekommen haben...

Woher ich das alles weiß? Na, das ist natürlich das allerwichtigste am Valentinstag: Gesehen werden oder möglichst lange darüber sprechen, was man gemacht hat. Denn was ist schon ein Geschenk wert, wenn die Anderen nicht wissen, dass man es bekommen hat? Und ein tolles Hotel, wenn man den Kolleginnen keine Photos davon zeigen kann?
Montags morgens komme ich also zur Uni – inzwischen sind wir verpflichtet worden, jeden Morgen um 8.00 Uhr zu unterschreiben, damit wir uns nicht mehr verspäten – und noch wärend ich die Tür aufmache, schallt es mir entgegen: „Sharlota, ku ishe ti per Shen Valentin? Charlotte, wo warst Du denn am Valentinstag?“

Ob ich ihnen sagen soll, dass ich zuhause Masterarbeit geschrieben habe? Dass ich auch kein Geschenk bekommen habe und niemandem eines gemacht habe? Und vor allem, dass das daran liegt, dass ich den Liebeszwang am Valentinstag abstoßend und heuchlerisch finde? Aber dann heißt es gleich wieder, die Deutschen sind so ein klates Volk.

Ich habe in der Schule von meiner Mama gelernt, dass man an St. Valentin anonym Briefe an die Menschen schreibt, die man liebt. Den ersten habe ich damals auf einen weißen Bogen mit kleinen roten Herzen darauf geschrieben, in einen roten Umschlag gesteckt und beim Jungen gegenüber eingeschmissen. Und als er mich am nächsten Tag in der Schule fragte, ob der Brief von mir sei, lachte ich und leugnete es.

Inzwischen möchte ich den Jungen von gegenüber (der das jetzt vielleicht liest – entschuldige für die Lüge, aber das mußte so sein!) nicht mehr heiraten, aber mein Verständnis vom Valentinstag hat sich trotzdem nicht verändert. Es geht nicht darum, öffentlich einen Tag im Jahr zur Schau zu stellen, wie sehr man seinen Partner liebt, so dass es alle sehen können. Sondern lieber kleine heimliche Freuden zu schenken...

Sollte ich den Damen und Kolleginnen von der Verwaltung so antworten? Ihnen in ihre strahlenden Augen schleudern, was ich von dem ganzen Krampf hielte? Nein? Aber was dann antworten? „Ich habe ein neues Parfum bekommen und wir waren in Vlora am Meer beim Essen, mit Freunden.“ Klingt gut? Ist aber wieder gelogen.

Beste Verteidigung in diesem Falle, die Frage umzudrehen. „Wo wart Ihr denn? Ihr seht ja so glücklich und gut gelaunt aus!“ Und schon strahlen die Augen noch mehr und die Geschichte vom Hotel wird wieder erzählt, mit ein paar neuen, schönen Details. Und meine Valentinsgeschichte hebe ich mir fürs nächste Mal auf.

Regendauer: Dauerregen

Jetzt fängt die schon wieder an über das Wetter zu jammern, werden einige von Euch vermutlich denken und genervt die Augen verdrehen. Die hat ja keine Ahnung, dass wir seit Monaten nur Schnee Schnee Schnee haben und gar nicht mehr wissen welche Farbe Gras haben könnte (Weiß vermutlich, oder, denn die einzigen verbliebenen Farben auf Erden scheinen ja weiß und schneematschgrau zu sein?). Aber ich muss Euch wiedersprechen, ich habe eine Ahnung von Eurer Lage. Mein liebster blau-weißer Freund Superman „S“ (Ihr dürft mich auch Skype nennen), vollbringt die geniale Leistung, mich wenigstens mit einigen von Euch hin und wieder direkt (und nicht nur gedanklich) zu verbinden. Ich schreibe also nicht aus Unwissenheit und Selbstmitleid über das albanische Wetter, sondern im Gegenteil um evtl. Vorstellungen von Euch - ich schwämme auf einer rosaroten Insel aus Palmen und weißem Sand, umringt von Delphinen und singenden Meerjungmännern - zu wiederlegen und Neid und Mißgunst zu bekämpfen.


Kurz und knapp: Es regnet. Es regnet schon den ganzen Monat, jeden Tag, jeden Morgen, jeden Mittag, jeden Abend. Und ich brauche Euch wohl nicht zu sagen, dass sich das irgendwie auf die Psyche niederschlägt. Manchmal höre ich selbst in meinem eigenen Kopf nur noch das stetige Tropfen auf Fensterscheiben, Autodächer, Regenschirme... Irgendwie scheint mir der Regen hier allerdings intensiver zu sein, als in Deutschland. Aggressiver. Problematisch ist, dass man nicht einfach nur etwas naß wird, wenn es regnet. Man wird völlig getränkt, da erstens der Regenschirm keinerlei Funktion erfüllt, weil der Wind ihn einfach hin und her bläst, nach Gutdünken. Zweitens ist von Kanalisation hier keine Spur, so dass die Straßen und Städte einfach voller Wasser laufen. So wird man also simultan von oben und unten naß. Schließlich ist das größte Problem, dass der Regen hier nicht wie zuhause aus klarem Wasser besteht. Hier scheint er mir grau-braun-grün zu sein. Nach einem zehnminütigen Spaziergang zur Arbeit ist man also nicht nur von oben und unten naß (und kann sich nicht trocknen, weil der zweite kleine Heizlüfter jetzt unsere zweite und letzte Steckdose durchgeschmort hat), sondern auch noch wie eine gesuhlte Sau von unten bis oben mit Sand und Matsch bespritzt. Nun könnte das gleichgültig sein, falls alle so aussehen würden. Leider bin ich allerdings die Einzige, die jeden Morgen denkt, Ach das bißchen Regen kann mich doch nicht vom zu Fuß gehen abhalten. Die anderen Mitarbeiter und Studenten lassen sich – von ihren Männern größtenteils - mit dem Auto vorfahren, was jeden Morgen zu einem riesigen Stau und Verkehrschaos führt. Und für mich den entscheidenden Nachteil hat, dass ich noch den Spritzverkehr der vorbeifahrenden Autos abbekomme...


Es ist seltsam, aber ich habe das Gefühl, man bekommt das Leben hier intensiver mit, als in Westeuropa. Wie eben beschrieben, ist der Regen viel anstrengender zu ertragen. Wohl weil nicht einfach nur Wasser vom Himmel fällt, sondern flüssiger Schmutz, die Straßen überflutet und die Löcher in den Straßen ausgespült und riesig werden, die Autoscheiben von innen beschlagen, so dass die Stadt halb blind durch die Gegend fährt, der Strom und das Internet ausfallen und man sich ständig naß und kalt fühl, weil es nirgends einen Heizungskeller gibt, in dem man seine Socken aufhängen kann. Und dann berichtet mir eine meiner Studentin, wie schwer es für sie ist konzentriert auf die Prüfungen zu lernen. Denn ihr kleiner Tisch, an dem sie gewöhnlich sitzt, steht im Gang der Wohnung. Der Gang ist aber völlig ungeheizt und selbst wenn sie sich in eine Decke wickelt, ist es schwer bei der Sache zu bleiben und sich nicht nur auf die klammen Finger zu konzentrieren. Wenn sie sich allerdings ins warme Wohnzimmer setzt, tummelt sich da die ganze Familie, der Fernseher läuft und es gibt ständig irgendetwas zu tun. So unwichtig dieses Beispiel vielleicht klingt, es zeigt wie viel größeren Einfluß die Natur hier hat, als bei uns. Nicht dramatisch - versteht mich nicht falsch, ich will hier nichts dramatisieren - aber doch so, dass alles ein wenig anstrengender ist. Und ich mich so fühle, als hätte ich in Deutschland immer in einer bequemen Blase gelebt. Wo man, wenn man z.B. lernend zuhause sitzt, ganz erfolgreich ausblenden kann, dass draußen gerade ein halber Meter Schnee gefallen, oder die Donau die arme Wurstküchl mal wieder in ihre naßen Armen geschlossen hat.


Vielleicht klingt das jetzt ein wenig so, als würde ich das harte Leben hier romantisieren und Euch vorschlagen, dass wir alle mehr unter der Natur leiden sollten. Das meine ich ganz und gar nicht so. Ein Stromausfall kann eine tolle Erfahrung sein. Erst diese Woche fiel einen Abend in ganz Albanien der Strom aus. Wir waren von unserem Haus auf die Aussichtsplattform über Durres geklettert und haben die gespenstisch dunkle Stadt gesehen – und nur die Schiffe auf dem Meer spendeten etwas Licht. Zurück zuhause gab es kein Licht, keinen Fernseher, kein Internet – es war die totale Entspannung von Arbeit, Hektik und Lichtverschmutzung. Aber ständig Stromausfall ist lästig, behindert die Wirtschaft, die Produktivität, läßt den Gefrierschrank abtauen und die Milch schlecht werden. Ich sehe das also nicht romantisch, sondern weiß, dass wir ein großes Glück mit diesen produktiven und geschützten Bedingungen haben. Aber schade ist, dass wir uns der heilsamen Blase gar nicht bewusst sind.


Samstag, 23. Januar 2010

Neues zuhause



























Vorne raus Blick aufs Meer,

Hinten raus Blick auf die Berge...












Wie gesagt, Ihr seid alle immer herzlich willkommen.

Bis März: Wollsocken mitbringen,
ab April: Badesachen

Finde den Kommunismus

In Polen wurde kürzlich das Zur-Schau-Stellen kommunistischer Symbole verboten. In Albanien kann man Überbleibsel aus der Zeit der Diktatur noch an vielen Orten finden. Man muss nur etwas näher hinsehen. Aber besonders scharfer Augen Bedarf es nicht:



Glückwunschkarte der Stadt Durres zu 65 Jahren Befreiung vom Nationalsozialismus. Das Bild zeigt albanische Häftlinge die ins Konzentrationslager Mauthausen abtransportiert werden sollten.

Das Bild wurde im Rahmen einer Austellung von anti-faschistischen Propagandabildern aus der Zeit des Kommunismus gezeigt.







"Die Heimat", im Kongresszentrum von Tirana. Der fünf-zackige Stern wurde entfernt. Oder?


















Im Garten des archaeologischen Museums von Durres liegt ein gefallener Partisan.
So recht weiß man noch nicht wohin mit ihm. deshalb leigt er unter einem Haufen alter Steine und wartet. Vielleicht wird für ihn irgendwann einmal auch ein Museum gebaut? Oder er wird einfach weiter verrosten...

Donnerstag, 14. Januar 2010

Autowerkstatt


„Wie lange fährst Du Dein Auto schon in Albanien? Zweieinhalb Jahre? Na dann ist ja klar, dass es jetzt dann den Geist aufgeben wird. Die Straßen und den Verkehr hier überlegt kein Wagen lange. Außer einem Mercedes vielleicht...“ Es geht doch nichts über die fürsorglichen und aufbauenden Worte von Kollegen, wenn man Unterstüzung bei der Suche nach einer Autowerkstatt braucht, oder!




Viele gelernt habe ich allerdings gerade im letzten halben Jahr schon, was Autos angeht. Ich weiß jetzt, wie man einen Luftfilter und Öl auswechselt, wie man testet, ob Stoßdämpfer kaputt sind, wann Reifen ausgetauscht und wie sie geflickt werden, wie ein Bremszylinder aufgebaut ist und dass man auch von alten Mercedesteilen die Gummidichtung für einen Mazda benutzen kann, und sogar was „koke zbare“ sind. Keine Ahnung wie die auf Deutsch heißen, Köpfe, die die Lenkung regulieren oder so... Nicht schlecht für ne Fahrradfahrerin, oder?


Bei meinem letzten Werkstattbesuch, als der Mechaniker gerade auf einem Mercedesfriedhof nach meiner Gummidichtung für den Bremszylinder buddelte konnte ich folgende kleine Geschichte beobachten: Ein wunderschöner (die Fahrradfahrerin ist doch noch ziemlich stark in mir, keine Ahnung welches Modell), neuer, dicker BMW mit italienischen Kennzeichen fuhr vor und aus stieg ein etwas breiterer Albaner mit charmantem „Wo ich auftrete drehen sich alle nach mir um“-Lächeln. In der Hand trug er zwei deutsche Nummernschilder. Kennzeichen: DU TU-628. Keine Steuerplakette, keine TÜV-Plakette, aber ein nagelneues deutsches Kennzeichen. Auf seinen Zuruf ging einer der Mechaniker hinüber, montierte mit raschen Handgriffen die Italienischen ab und die Deutschen an, der Lächler klopfte ihm auf die Schulter – und fuhr davon. Ohne quietschende Reifen und ohne dass der Kopf der Leiche gegen den Kofferraumdeckel stieß. Dennoch eine absurde Szene.

Winterschlaf

Zwei Decken habe ich auf den Beinen, bis zum Bauchnabel hochgezogen. Eine Jogginganzughose und ein langärmliges T-Shirt an. Und einen langen grauen wollenen Strickmantel. Seinerseits bei einem Auslandsstudium in Durham, England, als Geschenk von meiner Mama erhalten. Manchmal, wenn ich an diese Zeit zurück denke, kommt es mir vor, als wäre das damals gar nicht ich gewesen. Ich meine, ich kenne die Geschichte der Person dort ziemlich gut, auch deren Gefühle, Gedanken und Liebeskummer – aber ICH kann das irgendwie trotzdem schlecht gewesen sein. Oder?

Jetzt bin es jedenfalls ich, das ist sicher. Meine kalte Nasenspitze und das Kratzen in meinem Hals sind zu präsent, als dass sie jemand anderem gehören könnten. Das ewige Kratzen und Ziepen in meinem Hals und meinen Mandeln, dass einen bedeutenderen Teil meiner Identität eingenommen zu haben scheint, als manche gute Eigenschaft. Gute Eigenschaften wie zum Beispiel... Findet Ihr nicht auch, dass das eine der schwierigsten Aufgaben ist, seine eigenen guten Eigenschaften zu benennen? Ich meine nicht im Bewerbungsgespräch, sondern ehrlich. Schlechte, ja, kein Problem. Egoismus, Ungeduld, Intoleranz, Unpünktlichkeit, Egoismus... Aber Gute? Vielleicht, dass Menschen die mich nicht sehr gut kennen diese schlechten Eigenschaften an mir nicht erkennen. Also Falschheit und Schleimerei?

Schon gut, ich möchte den Blog und Euer Interesse im neuen Jahr 2010 nicht zu übermäßiger Selbstreflexion ausnutzen. Schließlich habe ich mich gegen eine Therapieausbildung entschieden und kämpfe mich lieber durch die albanische Hochwasserlandschaft. Im Ernst, gedacht war dieser Einstieg, um meine momentane Situation darzustellen. Auch in Albanien ist Januar, und es gibt keine Zeitverschiebung zwischen hier und Deutschland (nur um das jetzt ein für alle Mal zu klären). Dennoch ist es draußen schon frühlinglich warm (und heute auch sonnig gewesen), im Haus allerdings eiszeitlich kalt. Hier scheint die Meinung vorzuherrschen, dass es sich bei 9 warmen bis heißen Monaten im Jahr nicht lohnt, für die 3 übrigen eine Heizung in den Wohnungen zu installieren. Wir haben dafür eine Klimaanlage, die zehn Minuten warme Luft bläst und dann aus Langeweile auf kalt umstellt. Zudem einen kleinen Gasofen, aus dem so viel Gas entweicht, dass einem nach kurzer Zeit die Augen brennen und man sie zumachen muss. Es ist erstaunlich zu erfahren, wie wenig man mit geschlossenen Augen anfangen kann. Auch wenn einem warm ist. Schlafen kann man nämlich auch nicht, da der liebe Gasofen in unregelmäßigen Abständen eine hohe Stichflamme ausstößt und dann erlischt – d.h. man hört dann nur noch das bedrohliche Pfeifen von entweichendem Gas, muss aufspringen und den Hahn zudrehen. Die dritte Alternative sind zwei verschiebbare Elektroheizkörper, die so viel Strom fressen, dass einem beim bloßen Gedanken an die nächste Stromrechnung alleine schon warm genug wird. Es heißt also Suppe und Tee kochen, alte Wollsachen rauskramen und früh unter die Decke krabbeln. Und schnell weiß man gar nicht mehr, ob es hier oder im verschneiten Bayern kälter ist?

Unsere neue Wohnung - die in der ich gerade bibbere - ist wunderbar. Ein riesiges Wohnzimmer, drei Balkone, einer zur Meerseite hin, zwei zur Stadtseite mit einem bezaubernden Blick, da die Wohnung auf einem Hügel liegt, neben der Villa des ehemaligen König Zogu, Wireless, zwei Badezimmer, Gästezimmer und eine Küche mit Meerblick, alles mit geschmackvollen grauen Fließen ausgelegt und in bunten Farben gestrichen. Kleines Plus: Mini-Privatbibliothek, die ich im Laufe der vergangenen zwei Jahre mit Lufthansas Hilfe nach und nach eingeflogen habe.

Wie immer, seid Ihr also alle herzlich eingeladen. Wenn ich auch vorschlagen würde, ab März zu kommen. Die Wohnungsbeschreibung für Januar und Februar sieht nämlich folgendermaßen aus: Riesiges Wohnzimmer – das man einfach nicht warm bekommt, drei Balkone – die man nicht betreten kann, da aufgrund der exponierten Lage auf einem Hügel oft starke Winterwinde wehen, zwei Badezimmer – aus denen man die Feuchtigkeit nur schwer vertreiben kann, weil sie immer kalt und klamm sind – sich zum Duschen auszuziehen ist eine ziemliche Überwindung, ein Haufen alter Bücher – die man in einem mit Gas gefüllten Wohnzimmer schlecht lesen kann, und gefließter Boden – der einem ohne Hausschuhe und dicke Wollsocken wie die Eisfläche der Regensburger Donauarena in die Zehen beißt.

Ich hoffe Ihr nehmt meine Einladung trotzdem ernst?

Bevor ich auch meine kalte Nase unter der Bettdecke verschwinden lasse, ist mir vielleicht doch noch eine gute Eigenschaft eingefallen. Lockerheit. Nicht extrem, aber doch ein wenig Lockerheit habe ich dazugewonnen. Ich liebe diese Wohnung, dass könnt Ihr mir wirklich glauben. Eineinhalb Wintermonate sind immerhin schon vorbei und die Tage werden wieder länger. Und es wird wunderbar werden, im Sommer. Und hoffentlich ein wunderbares Jahr. Auch für Euch alle!