Samstag, 23. Januar 2010

Neues zuhause



























Vorne raus Blick aufs Meer,

Hinten raus Blick auf die Berge...












Wie gesagt, Ihr seid alle immer herzlich willkommen.

Bis März: Wollsocken mitbringen,
ab April: Badesachen

Finde den Kommunismus

In Polen wurde kürzlich das Zur-Schau-Stellen kommunistischer Symbole verboten. In Albanien kann man Überbleibsel aus der Zeit der Diktatur noch an vielen Orten finden. Man muss nur etwas näher hinsehen. Aber besonders scharfer Augen Bedarf es nicht:



Glückwunschkarte der Stadt Durres zu 65 Jahren Befreiung vom Nationalsozialismus. Das Bild zeigt albanische Häftlinge die ins Konzentrationslager Mauthausen abtransportiert werden sollten.

Das Bild wurde im Rahmen einer Austellung von anti-faschistischen Propagandabildern aus der Zeit des Kommunismus gezeigt.







"Die Heimat", im Kongresszentrum von Tirana. Der fünf-zackige Stern wurde entfernt. Oder?


















Im Garten des archaeologischen Museums von Durres liegt ein gefallener Partisan.
So recht weiß man noch nicht wohin mit ihm. deshalb leigt er unter einem Haufen alter Steine und wartet. Vielleicht wird für ihn irgendwann einmal auch ein Museum gebaut? Oder er wird einfach weiter verrosten...

Donnerstag, 14. Januar 2010

Autowerkstatt


„Wie lange fährst Du Dein Auto schon in Albanien? Zweieinhalb Jahre? Na dann ist ja klar, dass es jetzt dann den Geist aufgeben wird. Die Straßen und den Verkehr hier überlegt kein Wagen lange. Außer einem Mercedes vielleicht...“ Es geht doch nichts über die fürsorglichen und aufbauenden Worte von Kollegen, wenn man Unterstüzung bei der Suche nach einer Autowerkstatt braucht, oder!




Viele gelernt habe ich allerdings gerade im letzten halben Jahr schon, was Autos angeht. Ich weiß jetzt, wie man einen Luftfilter und Öl auswechselt, wie man testet, ob Stoßdämpfer kaputt sind, wann Reifen ausgetauscht und wie sie geflickt werden, wie ein Bremszylinder aufgebaut ist und dass man auch von alten Mercedesteilen die Gummidichtung für einen Mazda benutzen kann, und sogar was „koke zbare“ sind. Keine Ahnung wie die auf Deutsch heißen, Köpfe, die die Lenkung regulieren oder so... Nicht schlecht für ne Fahrradfahrerin, oder?


Bei meinem letzten Werkstattbesuch, als der Mechaniker gerade auf einem Mercedesfriedhof nach meiner Gummidichtung für den Bremszylinder buddelte konnte ich folgende kleine Geschichte beobachten: Ein wunderschöner (die Fahrradfahrerin ist doch noch ziemlich stark in mir, keine Ahnung welches Modell), neuer, dicker BMW mit italienischen Kennzeichen fuhr vor und aus stieg ein etwas breiterer Albaner mit charmantem „Wo ich auftrete drehen sich alle nach mir um“-Lächeln. In der Hand trug er zwei deutsche Nummernschilder. Kennzeichen: DU TU-628. Keine Steuerplakette, keine TÜV-Plakette, aber ein nagelneues deutsches Kennzeichen. Auf seinen Zuruf ging einer der Mechaniker hinüber, montierte mit raschen Handgriffen die Italienischen ab und die Deutschen an, der Lächler klopfte ihm auf die Schulter – und fuhr davon. Ohne quietschende Reifen und ohne dass der Kopf der Leiche gegen den Kofferraumdeckel stieß. Dennoch eine absurde Szene.

Winterschlaf

Zwei Decken habe ich auf den Beinen, bis zum Bauchnabel hochgezogen. Eine Jogginganzughose und ein langärmliges T-Shirt an. Und einen langen grauen wollenen Strickmantel. Seinerseits bei einem Auslandsstudium in Durham, England, als Geschenk von meiner Mama erhalten. Manchmal, wenn ich an diese Zeit zurück denke, kommt es mir vor, als wäre das damals gar nicht ich gewesen. Ich meine, ich kenne die Geschichte der Person dort ziemlich gut, auch deren Gefühle, Gedanken und Liebeskummer – aber ICH kann das irgendwie trotzdem schlecht gewesen sein. Oder?

Jetzt bin es jedenfalls ich, das ist sicher. Meine kalte Nasenspitze und das Kratzen in meinem Hals sind zu präsent, als dass sie jemand anderem gehören könnten. Das ewige Kratzen und Ziepen in meinem Hals und meinen Mandeln, dass einen bedeutenderen Teil meiner Identität eingenommen zu haben scheint, als manche gute Eigenschaft. Gute Eigenschaften wie zum Beispiel... Findet Ihr nicht auch, dass das eine der schwierigsten Aufgaben ist, seine eigenen guten Eigenschaften zu benennen? Ich meine nicht im Bewerbungsgespräch, sondern ehrlich. Schlechte, ja, kein Problem. Egoismus, Ungeduld, Intoleranz, Unpünktlichkeit, Egoismus... Aber Gute? Vielleicht, dass Menschen die mich nicht sehr gut kennen diese schlechten Eigenschaften an mir nicht erkennen. Also Falschheit und Schleimerei?

Schon gut, ich möchte den Blog und Euer Interesse im neuen Jahr 2010 nicht zu übermäßiger Selbstreflexion ausnutzen. Schließlich habe ich mich gegen eine Therapieausbildung entschieden und kämpfe mich lieber durch die albanische Hochwasserlandschaft. Im Ernst, gedacht war dieser Einstieg, um meine momentane Situation darzustellen. Auch in Albanien ist Januar, und es gibt keine Zeitverschiebung zwischen hier und Deutschland (nur um das jetzt ein für alle Mal zu klären). Dennoch ist es draußen schon frühlinglich warm (und heute auch sonnig gewesen), im Haus allerdings eiszeitlich kalt. Hier scheint die Meinung vorzuherrschen, dass es sich bei 9 warmen bis heißen Monaten im Jahr nicht lohnt, für die 3 übrigen eine Heizung in den Wohnungen zu installieren. Wir haben dafür eine Klimaanlage, die zehn Minuten warme Luft bläst und dann aus Langeweile auf kalt umstellt. Zudem einen kleinen Gasofen, aus dem so viel Gas entweicht, dass einem nach kurzer Zeit die Augen brennen und man sie zumachen muss. Es ist erstaunlich zu erfahren, wie wenig man mit geschlossenen Augen anfangen kann. Auch wenn einem warm ist. Schlafen kann man nämlich auch nicht, da der liebe Gasofen in unregelmäßigen Abständen eine hohe Stichflamme ausstößt und dann erlischt – d.h. man hört dann nur noch das bedrohliche Pfeifen von entweichendem Gas, muss aufspringen und den Hahn zudrehen. Die dritte Alternative sind zwei verschiebbare Elektroheizkörper, die so viel Strom fressen, dass einem beim bloßen Gedanken an die nächste Stromrechnung alleine schon warm genug wird. Es heißt also Suppe und Tee kochen, alte Wollsachen rauskramen und früh unter die Decke krabbeln. Und schnell weiß man gar nicht mehr, ob es hier oder im verschneiten Bayern kälter ist?

Unsere neue Wohnung - die in der ich gerade bibbere - ist wunderbar. Ein riesiges Wohnzimmer, drei Balkone, einer zur Meerseite hin, zwei zur Stadtseite mit einem bezaubernden Blick, da die Wohnung auf einem Hügel liegt, neben der Villa des ehemaligen König Zogu, Wireless, zwei Badezimmer, Gästezimmer und eine Küche mit Meerblick, alles mit geschmackvollen grauen Fließen ausgelegt und in bunten Farben gestrichen. Kleines Plus: Mini-Privatbibliothek, die ich im Laufe der vergangenen zwei Jahre mit Lufthansas Hilfe nach und nach eingeflogen habe.

Wie immer, seid Ihr also alle herzlich eingeladen. Wenn ich auch vorschlagen würde, ab März zu kommen. Die Wohnungsbeschreibung für Januar und Februar sieht nämlich folgendermaßen aus: Riesiges Wohnzimmer – das man einfach nicht warm bekommt, drei Balkone – die man nicht betreten kann, da aufgrund der exponierten Lage auf einem Hügel oft starke Winterwinde wehen, zwei Badezimmer – aus denen man die Feuchtigkeit nur schwer vertreiben kann, weil sie immer kalt und klamm sind – sich zum Duschen auszuziehen ist eine ziemliche Überwindung, ein Haufen alter Bücher – die man in einem mit Gas gefüllten Wohnzimmer schlecht lesen kann, und gefließter Boden – der einem ohne Hausschuhe und dicke Wollsocken wie die Eisfläche der Regensburger Donauarena in die Zehen beißt.

Ich hoffe Ihr nehmt meine Einladung trotzdem ernst?

Bevor ich auch meine kalte Nase unter der Bettdecke verschwinden lasse, ist mir vielleicht doch noch eine gute Eigenschaft eingefallen. Lockerheit. Nicht extrem, aber doch ein wenig Lockerheit habe ich dazugewonnen. Ich liebe diese Wohnung, dass könnt Ihr mir wirklich glauben. Eineinhalb Wintermonate sind immerhin schon vorbei und die Tage werden wieder länger. Und es wird wunderbar werden, im Sommer. Und hoffentlich ein wunderbares Jahr. Auch für Euch alle!