Sonntag, 16. Dezember 2007

Die Geschichte des Regenschirms

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass eine Geschichte immer einen roten Faden haben muss. Daher habe ich mir überlegt als roten Faden für meinen Blog eventuell meinen Herren-Regenschirm zu verwenden. Einige von Euch erinnern sich vielleicht noch an ihn?

Das traurige ist, dass dieser Regenschirm und ich seit geraumer Zeit getrennt sind. Alles begann an einem Abend im November. Freunde holten mich ab, um abends in die Disko zu gehen.

– Ja, Disko!! Das widerspricht dem Bild meines letzten Eintrags, dass hier abends nie irgendetwas los ist. Ich muss das Bild allerdings auch revidieren. Seit diesem tristen Wochenende war ich auf zwei Livekonzerten und einem Karaokeabend in Elbasan. Bei Karaoke habe ich drei deutsche Lieder gesungen (was hab ich hier schon zu verlieren J), woraufhin der Besitzer der Bar so begeistert war, dass ich und meine Studenten den ganzen Abend umsonst getrunken habe. Wobei ich damit nicht sagen will, er war von meinem Gesang beeindruckt. Wohl eher von meinem Mut…–

Jedenfalls gingen wir in die Disko. Allerdings waren dort NUR wir. Warum? Weil ein Freund von mir dort angerufen hatte und den Besitzer gebeten hatte, für uns sechs Personen zu öffnen. Kurios… Haben schön getrunken und getanzt, bis ich so um 22:30 Uhr auf der Toilette war. Da ging die Musik aus. Als ich heraus kam, war alles wie im Film: circa 10 Polizisten – einige in zivil, einige in Uniform und einige mit Kalaschnikow – hatten die Anderen umstellt, Taschen durchsucht, Handys eingesammelt usw. Daraufhin: wir sechs in 2 Sixpacks verladen und aufs Revier gekarrt. Grund: es wird ein Mazedonier mit Waffen gesucht. Aha.

Die nächsten 2 Stunden verbrachten wir also auf dem Revier. Das heißt eigentlich frierend vor der Tür und wurden einzeln hereingerufen und befragt. Während wir warteten fingen die anderen einen Streit mit den Polizisten an – wurden auch so richtig laut – und erklärten ihnen, wie peinlich es doch für Albanien sei, dass ich als Ausländerin diese Willkür miterleben müsse. Sie hatten nämlich längst unsere Personalien überprüft und wussten, dass wir keine Mazedonier sein konnten. Irgendwann bekamen sie’s mit der Angst zu tun und wir durften so um 00:30 Uhr gehen. Naja, der Abend war wohl gelaufen…

Und was das mit dem Regenschirm zu tun hat? Den hatte ich im Wagen eines Freundes gelassen und nach dem ganzen Theater vergessen abzuholen.

Letzte Woche, als es hier zu regnen anfing (inzwischen hat es sogar geschneit, nach 8 Jahren ohne Schnee in Elbasan!) habe ich dann versucht ihn zurück zu bekommen. Nun ist er allerdings schon wieder auf der Polizeistation. Immer noch in eben demselben Auto. Diesmal wurde das Auto verhaftet, weil es ein italienisches Kennzeichen, aber einen albanischen Besitzer hat. Und dafür müssen eigentlich Einfuhrgebühren bezahlt werden. Wieder einmal kann man an Willkür denken, weil so ziemlich jedes zweite Auto hier, inklusive Meinem, ein ausländisches Kennzeichen hat und nicht regulär angemeldet ist.

So sieht es nun wohl so aus, als würde mein lieber Regenschirm Weihnachten alleine auf der Polizeistation verbringen müssen, während ich glücklich nach Deutschland fliege. Ist das Leben nicht ungerecht?


Ich wünsche Euch allen ein Frohes Fest und einen guten Rutsch!

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